Interview mit Dr. Frank Freund von Raisin & Weltsparen

Dr. Frank Freund
Dr. Frank Freund CFO von Weltsparen

Interview mit Dr. Frank Freund, Gründer und CFO

tagesgeldkonto.com: Herr Dr. Freund, Ihre Kunden haben inzwischen mehr als eine Milliarde Euro bei WeltSparen angelegt. Damit ist WeltSparen das erste Startup europaweit, dass diese magische Grenze überschritten hat. Was sind Ihre Ziele für dieses Jahr?

 

Dr. Frank Freund: Bei uns steht der Kunde im Mittelpunkt. Deshalb sind wir entsprechend stolz, dass wir bisher bereits 40.000 zufriedene Kunden von WeltSparen überzeugen konnten. Schon bald hoffen wir, die Marke von 50.000 zu erreichen und immer mehr Sparer in Deutschland davon zu überzeugen, dass cleveres Sparen immer noch Sinn ergibt. So haben wir auch mit Miroslav Nemec einen TV-Schauspieler als bekanntes Testimonial für uns gewinnen können, um weitere Zielgruppen von der WeltSparen-Idee zu überzeugen.

Gerade in der aktuellen Diskussion um private Vorsorge im Alter darf eine konservative Sparanlage nicht aus den Augen verloren werden. Um unseren Kunden weiterhin überdurchschnittliche Angebote bieten zu können, erweitern wir ständig unsere Fest-, Flex- und Tagesgelder. In den nächsten Wochen werden mehrere neue Partnerbanken mit attraktiven Angeboten starten.

Aktuell gibt es bis zu 2,5% p.a. auf Festgeld und 1% auf Tagesgeld. Das sind mit Sicherheit spannende und im Zinssatz führende Angebote für deutsche Sparer, wenn man bedenkt, dass über 99 Banken in Deutschland keine Zinsen mehr für Tagesgeld zahlen.
Darüber hinaus werden wir dieses Jahr daran arbeiten, mit unserer europaweit gestarteten Plattform www.raisin.com auch Sparer aus dem europäischen Modell von unserem Modell zu überzeugen.

 

Miroslav Nemec Werbung Weltsparen

tagesgeldkonto.com: Sie haben es gerade selbst gesagt, es gibt in Deutschland fast keine Zinsen mehr, im Gegenteil viele Banken zahlen gar keine Zinsen mehr. Wieso kann WeltSparen Angebote vermitteln, die immer noch vernünftige Zinserträge abwerfen und dabei auch noch sicher sind?

Frank Freund: Es gibt unterschiedliche Gründe warum Banken mehr Zinsen zahlen. Ein Grund ist tatsächlich die Nachfrage im jeweiligen Heimatmarkt. Deutschland ist seit einigen Generationen „Spar-Weltmeister“. Deshalb haben die Banken hierzulande viele Einlagen, teilweise sogar mehr als für das Kreditgeschäft benötigt werden. Daher ist es nachvollziehbar, dass Banken keine oder nur minimale Zinsen auf Einlagen zahlen.

Zum Glück sieht das in einigen europäischen Ländern anders aus. Hier sind die Sparvolumen geringer, Wachstumsraten in der Kreditvergabe höher, und damit ist natürlich der Anreiz, Einlagen von Privatkunden einzuwerben, auch höher.

In EU-Ländern außerhalb der Eurozone kommt noch hinzu, dass Banken nicht vergleichbar einfach auf Liquidität der EZB zugreifen können, was den Anreiz erhöht, für Einlagen auch attraktive Zinsen zu zahlen. Trotz dieser Unterschiede haben wir eine EU-weit geltende Richtlinie, die alle Mitgliedstaaten verpflichtet, einen Betrag im Gegenwert von 100.000 Euro pro Person und Bank durch nationale Einlagensicherungsfonds abzusichern.

In den letzten Tagen konnte man in den Medien über die Diskussion über „Realzinsen“ verfolgen. Auslöser war die Aussage des EZB-Chefs Draghi, dass der reale Zins höher als im Durchschnitt der 90er-Jahre sei. Was bedeutet das und heißt das, dass Fest- und Tagesgeld doch ganz gut rentieren? Tatsächlich stimmt es, dass der Realzins oft aussagekräftiger ist als der Nominalzins, wenn man etwa die Entwicklung der Kaufkraft analysieren möchte. Entscheidend ist hierfür nämlich die Differenz aus dem nominalen Zins und der Inflationsrate, denn genau dies ist der Realzins. Da die Inflation aktuell sehr niedrig ist, verliert das angelegt Geld nicht so viel von seinem Wert und auch ein geringerer nominaler Zinssatz ist relativ gesehen attraktiver.

Allerdings teilen wir die getroffene Aussage so nicht. Zum einen ist die Inflation nicht in allen Ländern der EU relativ zum Nominalzins zurückgegangen. Was für einige der EU-Länder stimmt, gilt eben nicht für alle 28 Staaten. Aus Sicht der deutschen Sparer muss man bedenken, dass 99 Banken gar keine Zinsen mehr zahlen, Gebühren erhöht werden und dass der durchschnittliche Zinssatz in Deutschland nicht einmal mehr 0,4% auf 12-Monats-Einlagen beträgt. Da muss man klar sagen: Über Zeit verlieren Sparer, die sich damit zufrieden geben, Geld und Kaufkraft.

 

tagesgeldkonto.com: WeltSparen ist seit April 2016 auch für alle europäischen Kunden erreichbar. Sie sind einer englischsprachigen Plattform www.raisin.com gestartet, in Österreich mit www.weltsparen.at und in den nächsten Wochen kommt eine französische Plattform hinzu. Sie gehören damit zu den führenden FinTechs in Europa. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Frank Freund: Vielen Dank. Die Rahmenbedingungen für FinTechs haben sich in den letzten Jahren verbessert, vor allem die Infrastruktur ist kostengünstiger geworden. In unserem Fall kommt außerdem eine zunehmende Harmonisierung der Märkte hinzu. Wir glauben, dass es am wichtigsten ist, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen und ein konkretes Kundenproblem zu lösen. Die meisten Kunden wollen einen konkreten Mehrwert – zum Beispiel höhere Zinsen und einfachere Verwaltung der Anlagen ohne etwa auf die Einlagensicherung verzichten zu müssen. Dies erhalten unseren Kunden bei uns aus einer Hand und schätzen die Dienstleistung entsprechend. Als wir WeltSparen vor einigen Jahren gegründet haben, wollten wir, dass der Kunde die Wahl hat, weil wir davon überzeugt sind, dass mehr Alternativen immer besser sind. Heute kann sich unser Kunde passende Sparprodukte bei 15 Banken aus 12 europäischen Ländern aussuchen, weitere Angebote werden folgen. Und so sind wir nicht nur das erste europaweit tätige Zinsportal für Fest- und Tagesgelder, sondern auch das Portal, welches Kunden die breiteste Auswahl dieser Einlagenangebote liefert.