Gemeinschaftskonto – Eröffnen – Rechsbegriff – Vorteile vs. Nachteile

Beispiel für eine Gemeindschaftskonto Eröffnung
Auch bei der Deutschen Bank können Kunden ein Gemeinschaftskonto eröffnen. Quelle: Deutsche Bank

Kreditinstitute unterscheiden bei den Kontoarten aus rechtlichen Gründen zwischen Einzelkonten und Gemeinschaftskonten. Ein Einzelkonto wird nur von einem einzigen Kontoinhaber geführt, während es bei einem Gemeinschaftskonto zwei oder mehr Kontoinhaber geben kann. Die Kontoinhaber eines Gemeinschaftskontos haben jeweils dieselben Rechte, Pflichten und Ansprüche gegenüber der kontoführenden Bank oder Sparkasse, sie sind also gleichberechtigt. Informieren Sie sich hier über das gemeinsame Konto.

Wer kann ein Gemeinschaftskonto eröffnen?

Wann lohnt sich ein Gemeinschaftskonto?

Grundsätzlich können mindestens zwei natürliche oder juristische Personen ein Gemeinschaftskonto eröffnen. Es bieten jedoch nicht alle Kreditinstitute jede Kontoart als Gemeinschaftskonto an. So kann vor allem bei Direktbanken häufig ein Tagesgeldkonto oder ein Festgeld nur als Einzelkonto eröffnet werden. Auch ein Pfändungsschutzkonto kann nur als Einzelkonto geführt werden. Bietet die Bank oder Sparkasse Gemeinschaftskonten an, kann es sich bei den Kontoinhabern um Ehepaare, aber auch um Lebenspartner, Mitglieder einer Wohngemeinschaft oder um Geschäftspartner handeln. Dabei darf ein Gemeinschaftskonto nicht mit einer Verfügungsberechtigung verwechselt werden. Eine Verfügungsberechtigung richtet der Inhaber eines Einzelkontos ein, wenn er einer oder mehreren anderen Personen einen Zugriff auf ein Konto gewähren möchte. Die Rechte einer verfügungsberechtigten Person gehen nicht so weit wie die eines Kontoinhabers. So darf der Verfügungsberechtigte zum Beispiel keine weiteren Konten oder Depots eröffnen oder einen bestehenden Kreditvertrag ändern.

 

 Festgeld - aktuelle Konditionen hier im Vergleich

 

Zur Kontoeröffnung eines Gemeinschaftskontos müssen beide Kontoinhaber eigenhändig den Kontoeröffnungsantrag unterschreiben. Das gilt auch für ein Online-Konto. Falls die kontoführende Bank eine Legitimationsprüfung per Postidentverfahren vornimmt, müssen beide Antragsteller mit den erforderlichen Unterlagen eine Filiale der Deutschen Post AG aufsuchen und sich dort mit ihrem Personalausweis legitimieren.

Wie auch bei einem Einzelkonto müssen private Kontoinhaber eines Gemeinschaftskontos bei der Kontoeröffnung volljährig und damit rechtsfähig und geschäftsfähig sein. Juristische Personen, wie eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder ein Verein, müssen ihre Rechtsfähigkeit durch einen Auszug aus dem Handelsregister oder dem Vereinsregister nachweisen. Aus dem Registerauszug muss hervorgehen, wer der Geschäftsführer, persönlich haftender Gesellschafter oder Vorstand des Unternehmens oder des Vereins ist. Deren Vertretungsbefugnis richtet sich sowohl nach gesetzlichen Vorgaben als auch nach der Satzung der juristischen Person.

Gemäß § 1 Absatz 1 der Abgabenordnung (AO) muss sich das kontoführende Institut über die Identität sämtlicher Kontoinhaber vergewissern. Die Abgabenordnung beinhaltet auch die sogenannte Kontenwahrheit, die besagt, dass der Name der Kontoinhaber nicht falsch oder erdichtet sein darf. Es ist aber möglich, ein Gemeinschaftskonto als Geschäftskonto auf den Namen einer GmbH zu eröffnen und zwei Gesellschafter als Kontoinhaber zu vermerken. Die Bank oder Sparkasse muss ebenfalls überprüfen, für welchen Zweck das Konto genutzt wird und dass die Antragsteller das Konto nicht für eine dritte Person, sondern auf eigene Rechnung, eröffnen.

Übersicht ausgewählter Banken mit oder ohne Gemeinschaftskonto Option

Hier finden Sie eine Übersicht, welche Banken bei Girokonto, Tagesgeldkonto und Festgeldkonto Kunden eine Geminschaftskonto Eröffnung ermöglichen

Bank Girokonto Festgeld Tagesgeld
Commerzbank nicht online nicht online nicht online
Consorsbank + + +
DenizBank + + +
Deutsche Bank + + +
DKB + + +
hkb bank + + +
ING DiBa + + +
LeasePlan Bank nein nein nein
MoneYou + + +
norisbank + + +
RaboDirect + + +
Renault Bank + + +
TAROGOBANK + + +
Volkswagen Bank + + +
 

Der Unterschied zwischen Und-Konto und Oder-Konto

Die Kreditinstitute unterscheiden bei den Gemeinschaftskonten zwischen Und-Konten und Oder-Konten. Der Unterschied liegt in der Verfügung über das Konto. Während bei einem Oder-Konto jeder Kontoinhaber alleine Verfügungen treffen darf, müssen bei einem Und-Konto immer sämtliche Kontoinhaber gemeinsam handeln. Gemäß § 362 Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) handelt es sich bei einem Und-Konto um eine Mitgläubigerschaft. Alle Verfügungen über das Konto, ob Barabhebung, Überweisung, die Errichtung von Vollmachten oder die Kontoauflösung müssen stets von allen Kontoinhabern unterschrieben oder genehmigt werden.

Aus diesem Grund richten die Kreditinstitute bei einem Und-Konto kein Online-Banking ein und sie stellen keine EC-Karte oder Kundenkarte für Verfügungen am Geldautomaten aus. In der Praxis finden sich Und-Konten nur selten bei Privatpersonen, in der Regel handelt es sich um Geschäftskonten. Auch Erbengemeinschaften richten Und-Konten ein, um das Guthaben eines Verstorbenen auf einem Konto zusammenzuziehen und anschließend gemeinsam an die Erben zu verteilen.

Insbesondere bei Ehepaaren sind Oder-Konten als Gemeinschaftskonten häufig anzutreffen. Hier kann jeder Kontoinhaber alleine handeln und die kontoführende Bank darf mit befreiender Wirkung an jeden Kontoinhaber Auszahlungen vornehmen. Gemäß § 428 BGB handeln die Kontoinhaber einer Oder-Kontos als Gesamtgläubiger beziehungsweise nach § 421 BGB als Gesamtschuldner. Das bedeutet, dass ein Sollsaldo auf einem Gemeinschaftskonto von beiden Kontoinhabern auszugleichen ist, egal, welcher der Kontoinhaber den Sollsaldo verursacht hat. Die Bank ist berechtigt, nur von einem der Kontoinhaber den Ausgleich des Sollsaldos anzufordern. Ebenso darf das Kreditinstitut das komplette Kontoguthaben nur an einen der Kontoinhaber auszahlen. Für Oder-Konten stellen die Banken EC-Karten oder Kundenkarten für jeden Kontoinhaber aus und auch Online-Banking ist möglich. Es gibt einige Transaktionen, bei denen auch bei einem Oder-Konto die Unterschrift beider Kontoinhaber notwendig ist. Dazu zählen: die Kontoeröffnung die Auflösung des Kontos die Einrichtung einer Verfügungsberechtigung oder einer Todesfallbegünstigung für eine dritte Person

Die Löschung einer Verfügungsberechtigung oder einer Todesfallbegünstigung kann jeder Kontoinhaber wiederum alleine in Auftrag geben. Außerdem kann bei einem Oder-Konto einer der Kontoinhaber der Verfügung durch den zweiten oder die weiteren Kontoinhaber widersprechen. In diesem Fall wandelt sich das Oder-Konto mit Eingang des Widerspruchs bei der kontoführenden Bank in ein Und-Konto um. Verstirbt einer der Kontoinhaber, können die Erben des Verstorbenen auch bei einem Oder-Konto den alleinigen Verfügungen des oder der weiteren Kontoinhaber widersprechen. Somit müssen die Erben jeder Transaktion des überlebenden Kontoinhabers zustimmen.

Wem gehören die Wertpapiere in einem gemeinschaftlichen Depot?

Bei einem Girokonto, Tagesgeldkonto oder Sparkonto als Gemeinschaftskonto geht der Gesetzgeber davon aus, dass die Salden auf diesen Konten zu gleichen Teilen den Kontoinhabern zuzuordnen sind, außer es besteht eine anderslautende vertragliche Regelung zwischen den kontoführenden Parteien. Dagegen muss bei einem gemeinschaftlichen Depot zwischen der Eigentümerschaft an den Wertpapieren und dem abgeschlossenen Depotvertrag unterschieden werden. Während der Depotvertrag mit der kontoführenden Bank von beiden Kontoinhabern abgeschlossen wird, gehören die Wertpapiere in dem Depot dem Kontoinhaber, aus dessen Mitteln sie gekauft wurden. Werden Wertpapiere von einem Einzeldepot in ein gemeinschaftliches Depot übertragen, bleiben sie das Eigentum des ursprünglichen Kontoinhabers des Einzeldepots.

Die Vorteile und Nachteile eines Gemeinschaftskontos:

Ein Gemeinschaftskonto bietet den Kontoinhabern gegenüber Einzelkonten einen Kostenvorteil, da nur einmal Kontoführungsgebühren berechnet werden. Die Bank versendet nur einen Kontoauszug, was bei einem Versand in Papierform eine Ersparnis an Portokosten bedeutet. Ein Gemeinschaftskonto bietet den Kontoinhabern eine bessere Übersicht über die Kontobewegungen als mehrere Einzelkonten. Bei einem Und-Konto müssen alle Transaktionen gemeinsam in Auftrag gegeben werden, wodurch sich die Kontoinhaber gegenseitig kontrollieren.

Nachteilig kann sich bei einem Gemeinschaftskonto als Und-Konto auswirken, dass die Kontoinhaber nur gemeinsame Verfügungen treffen können. Ist einer der Kontoinhaber verreist oder erkrankt und hat er keine Vorkehrungen getroffen, dass eine andere Person ihn vertreten kann, ist eine Verfügung über ein Und-Konto nicht möglich. Daher sollten Kontoinhaber eines Und-Kontos zum Beispiel eine Generalvollmacht bei einem Notar abschließen, um eine vertretungsberechtigte Person zu bestimmen.

Hohe Einzahlungen auf ein Gemeinschaftskonto können auch das Finanzamt aufmerksam machen. Führt beispielsweise ein Ehepaar ein gemeinschaftliches Girokonto und erbt einer der Ehegatten eine höhere Summe, kann der Zahlungseingang vom Fiskus wie eine Schenkung an den zweiten Kontoinhaber angesehen werden. Der Freibetrag für Schenkungen liegt bei Ehepaaren bei 500.000,00 Euro. Ist die Erbschaft höher, müssen die Eheleute gegebenenfalls nicht nur Erbschaftssteuer, sondern auch Schenkungssteuer zahlen. Handelt es sich bei den Kontoinhabern um Lebensgefährten, liegt der Freibetrag lediglich bei 20.000,00 Euro, wodurch schon bei kleineren Einzahlungen auf das Gemeinschafskonto Schenkungsteuer anfallen könnte. Allerdings liegt nach Aussage des Bundesgerichtshofes die Beweislast für die Schenkung bei den Finanzbehörden.

Verstirbt einer der Kontoinhaber, erlischt mit dem Tag seines Todes der für ihn eingerichtete Freistellungsauftrag. Nur wenn der Überlebende noch im Todesjahr das Konto in ein Einzelkonto umwandelt, kann er für den Rest des Jahres den Freibetrag für Ehepaare in Höhe von 1.602,00 Euro in Anspruch nehmen. Wird das Konto nicht umgestellt und bleibt das Guthaben auf dem Gemeinschaftskonto, werden ab dem Todestag eines Kontoinhabers nur noch 801,00 Euro als Freibetrag aus dem Freistellungsauftrag angerechnet.

Die Banken unterscheiden bei einem Gemeinschaftskonto zwischen dem ersten und dem zweiten Kontoinhaber. Bei einigen Kreditinstituten ist es für den zweiten Kontoinhaber nicht möglich, das Gemeinschaftskonto in ein Einzelkonto umzuwandeln. Diese Möglichkeit räumen einige Banken nur dem ersten Kontoinhaber ein. Der zweite Kontoinhaber muss daher ein neues Konto als Einzelkonto eröffnen und das Guthaben von dem Gemeinschaftskonto übertragen. Falls von dem gemeinschaftlichen Konto bisher Abbuchungen per Lastschrift erfolgten, müssen die Zahlungsempfänger über die neue Kontonummer informiert werden. Auch Daueraufträge müssen neu eingerichtet werden, was einen hohen Aufwand für den Kontoinhaber bedeutet.

Das Gemeinschaftskonto im Entschädigungsfall

Falls ein Kreditinstitut Insolvenz anmelden muss, sind die Guthaben der Kontoinhaber in Deutschland über die gesetzliche Einlagensicherung abgesichert. Der abgesicherte Betrag liegt bei 100.000 Euro je Kontoinhaber für Einlagen beziehungsweise bei 90 % für Forderungen aus Wertpapiergeschäften, wie noch nicht verbuchte Verkaufserlöse, Zinsen oder Dividenden, mit einem Höchstbetrag von 20.000,00 Euro. Bei einem Gemeinschaftskonto bedeutet dies, dass die Kontoinhaber einen Entschädigungsanspruch für Guthaben als Sichteinlagen, Termingeldern, Namensschuldverschreibungen eines Kreditinstitutes und Sparguthaben in Höhe von mindestens 200.000,00 Euro bei zwei Kontoinhabern haben. Wird das Gemeinschaftskonto von mehr als zwei Kontoinhabern geführt, erhöht sich die Entschädigungssumme entsprechend. Für sehr liquide Anleger, die Geld in Form von Tagesgeld parken möchten, ist ein Gemeinschaftskonto eine Möglichkeit die Einlagensicherung zu verdoppeln.

Falls es keine gesonderten Regelungen gibt, geht das Gesetz davon aus, dass jeder Kontoinhaber zu gleichen Teilen an dem Kontoguthaben beziehungsweise an den Forderungen aus Wertpapiergeschäften beteiligt ist. Falls mehrere Besitzer von Eigentumswohnungen ein gemeinsames Konto für die Hausgelder eingerichtet haben, werden die einzelnen Mitglieder der Wohnungseigentümergesellschaft als Kontoinhaber angesehen.

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